Demographischer Wandel

 

Treppe Der demographische Wandel ist eine der größten Herausforderungen für die Zukunft unseres Landes. Als Herausforderung erweist sich dabei weniger der langfristige Bevölkerungsrückgang in Deutschland, sondern vielmehr die zunehmende Alterung der Bevölkerung, die unsere sozialen Sicherungssysteme in Schwierigkeiten bringt und nach langfristigen Anpassungsstrategien verlangt. Gemessen am Lebenshorizont einzelner Generationen ist die Alterung der Bevölkerung ein irreversibler Vorgang, weil sie im heutigen Altersaufbau der Bevölkerung bereits angelegt ist. So sind die Rentner des Jahres 2050 bereits geboren, ihre Zahl steht mehr oder weniger fest. Steigende Geburtenzahlen oder Zuwanderungen in den heutigen Größenordnungen können den Prozess der demographischen Alterung lediglich mildern, jedoch nicht umkehren.

Andererseits sind die weltweiten Trends jenseits der OECD-Länder gekennzeichnet durch einen gravierenden Bevölkerungsanstieg. Der zeitliche Abstand, in denen sich die Population der Erde um 1 Milliarde erhöht, wird immer kürzer. Jüngst dauerte es nur noch 11 Jahre, so dass die Monatszeitung GEO im Oktober 1999 titelte:  „Willkommen Nr. 6.000.000.000!“ Wo aber liegen „Die Grenzen des Wachstums“, die der Club von Rom 1972 unter Berücksichtigung der Determinanten Bevölkerungszahl, Industrieproduktion, Nahrungsmittel, Rohstoffvorräte und Umweltverschmutzung erstmals global darstellte? Die UN-Bevölkerungsschätzung des Jahres 2000 führt drei Varianten des Wachstums an. So steigt die Bevölkerung der Erde bis 2050 auf 10,9 (hohe Variante), 9,3 (mittlere Variante) oder 7,9 Milliarden (niedrige Variante). Diese schnelle, zu 95 Prozent in den Entwicklungsländern ablaufende Bevölkerungsexplosion forciert die Migration, was in erster Linie Wanderungsbewegungen aus den armen Ländern bedeutet. Die demographischen Gegebenheiten der Aufnahmeländer intensivieren die Sogwirkung zusätzlich. Inhärente Folgen dieses Prozesses sind die Überforderung der bestehenden politischen Systeme und infolgedessen der Zusammenbruch sozialer Verteilungsmechanismen und wirtschaftlicher Ordnungsentwürfe. Die Bedrängnisse der Länder der Dritten Welt wachsen dabei ebenso rasch wie die Sorge der Industrienationen, dass aus den aktuellen Bedingungen anhaltende Turbulenzen mit unerwünschten Rückwirkungen resultieren könnten.

 

Weltweite Bevölkerungsentwicklung bis 2050

Bevölkerungsentwicklung Quelle: United Nations Populations Prospects - The 2004 Revision (Prognose: mittlere Variante)


Zur Erklärung der Bevölkerungsentwicklung wird vielfach das „Modell des demographischen Übergangs“ bemüht, das die recht regelhafte zeitliche  Entwicklung von Geburten- und Sterberate der letzten zwei Jahrhunderte in Europa und Nordamerika beschreibt. Dabei vollzog sich in den Industrieländern im Verlauf ihrer sozioökonomischen Entwicklung der Übergang von hohen zu niedrigen Geburten- und Sterberaten. Dieser Bevölkerungszyklus ist erstmals in Großbritannien und seither - mit zeitlicher Verschiebung, regionaler Differenzierung und bei unterschiedlicher Ausgangslage - überall dort beobachtet worden, wo Völker den Übergang von der vorindustriellen zur industriellen Wirtschafts- und Lebensweise vollzogen haben. Der Ausgangspunkt vor Beginn des Transformationsprozesses ist durch hohe und stark fluktuierende Sterbe- und Geburtenraten gekennzeichnet. Am Ende der Entwicklung stehen sehr viel niedrigere und sich kurzfristig kaum noch ändernde Ziffern. Es handelt sich hierbei um zwei Phasen des relativen Gleichgewichts. Den Entwicklungsabschnitt dazwischen, in dem der Rückgang der Sterberate schon beginnt, während die Geburtenrate noch unverändert hoch bleibt, bezeichnet man als „demographischen Übergang“.  Weltweit, besonders bezogen auf die Entwicklungsländer, ist der Übergang nicht so verlaufen, was die Problemlage verschärft. Der vorübergehende Glaube der Demographen an eine weltweit geltende Gesetzmäßigkeit der demographischen Entwicklung ist zusammengebrochen. Der Demographische Übergang, er war im Grunde nicht mehr als eine Beschreibung des speziellen historischen Ablaufs von Fertilität und Mortalität, erweist sich nicht als tragfähiges Erklärungsmuster für die weitere Entwicklung und bleibt in der Wirklichkeit des Südens reine Theorie.